Fotografische Entdeckungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart

- Vortrag über Lost-Places-Fotografie -

"Lost Places"- Fotografie als Form der Aneignung von Industriekultur und Industriearchitektur - ist das Thema eines Vortrages am Donnerstag,
27. Oktober 2017
, in Neustadt an der Orla.

Wer sind die Akteurinnen und Akteure? Welche Motive liegen ihren teils illegalen Aktivitäten zu Grunde? Inwiefern spielt die "Authentizität" in der fotografischen Praxis eine Rolle? Und welche Inszenierungspraktiken lassen sich aufzeigen? Diesen Fragen wird Dr. phil. Uta Bretschneider ab 18.00 Uhr im Museum für Stadtgeschichte auf den Grund gehen.

Dort ist auch noch bis zum 29. Oktober 2017 die Fotoausstellung

"Verlassene Orte in Licht und Schatten"

zu sehen.

Die Farbe blättert in Schollen von den Wänden, Gardinen wehen durch die kaputten Scheiben, Treppenhäuser sind mit Graffitis versehen. So oder so ähnlich sehen viele ehemalige Industriebauten heute aus und werden damit zum Setting für ein Hobby, das immer mehr Zulauf erfährt. Schon seit einigen Jahren hat die sogenannte Lost Places-Fotografie Konjunktur: Blogs und Internetseiten, Angebote für geführte Touren, Bildbände und Ausstellungen zeugen von einem gesteigerten Interesse für morbide, ruinöse, verfallene Orte. Sie sind gewissermaßen stumme Zeugen des Wandels, ungewollte Denkmale und vergessene Erinnerungsorte.

Uta Bretschneider wird seit ca. zehn Jahren von leerstehenden Architekturen magisch angezogen, die verloren sind oder sich nur im Dornröschenschlaf befinden. In einer geschichts- und architekturinteressierten Familie aufgewachsen, wurde ihr das Interesse für alte, verfallene Gebäude in die Wiege gelegt. Sie entdeckt die verlassenen Orte, die einen ganz besonderen Charme versprühen, meist zufällig beim Spazierengehen oder auf Touren übers Land. Oft entstehen faszinierte Fotos, die sie über das Medium "Instagram" veröffentlicht: "Ich bevorzuge Detailaufnahmen, habe einen Blick für kleine Dinge, verrückte Arrangements und morbide Stillleben. Am liebsten mag ich alte Tapeten bzw. gewissermaßen die Außentapete von Häusern: Fassaden mit geschichtenerzählenden Fenstern und Türen."

Dr. phil. Uta Bretschneider hat an der der Friedrich-Schiller-Universität Jena Volkskunde/Kulturgeschichte und Soziologie studiert. Sie arbeitete als wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., erhielt ein Immanuel-Kant-Stipendium des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und realisierte ihr Dissertationsprojekt "Vom Ich zum Wir"? Flüchtlinge und Vertriebene als Neubauern in der LPG. Von 2009 bis 2011 war sie Mitarbeiterin im Hennebergischen Museum Kloster Veßra, dessen Direktorin sie jetzt ist.

Dr. Uta Bretschneiders Forschungsschwerpunkte, zu denen die DDR-Alltagskultur, die Geschichte des ländlichen Raumes, Biografieforschung und Industriekultur zählen, führten zur Veröffentlichung von fünf Büchern und zahlreichen Aufsätzen. Im Januar 2017 war sie schon einmal zu Gast in Neustadt. Im Rahmenprogramm der Ausstellungs-Trilogie zu Flucht und Vertreibung referierte sie zum Thema "Neue Heimat Thüringen? Flüchtlinge und Vertriebene um 1945".

Die Anzahl der Plätze ist begrenzt. Es wird empfohlen, Eintrittskarten im Vorverkauf in der TouristInformation im Lutherhaus oder im Museum für Stadtgeschichte zu erwerben bzw. zu reservieren.

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