Der Neustädter Cranach Altar

Der Cranach Altar Der Cranach Altar

Im Herbst 1511 wurde der Altar durch Neustädter Ratsmitglieder auf der Leipziger Messe bei Lucas Cranach in Auftrag gegeben. Der Neustädter Altar war einer der ersten Aufträge, die Cranach von der Bürgerschaft einer Stadt erhielt. Nach 2 Jahren trafen 3 Fuhrwerke mit der kostbaren Fracht aus Wittenberg ein. Heute ist er der einzige Altar von Lucas Cranach dem Älteren, der noch unverändert an seinem Platz steht.
Die Predella zeigt Christus in Anknüpfung an das Matthäus-Evangelium als den "Weltenrichter". Er thront auf dem Regenbogen, dem Zeichen dafür, dass Gott den Menschen viel lieber vergeben als sie bestrafen will.
Links außen (vom Betrachter aus gesehen) steht der hl. Georg. Zu seinen Füßen befindet sich der Drache oder die Schlange, das Symbol des Bösen.
Auf der anderen Seite des Altares steht der hl. Florian mit einer Wasserbütte. Er symbolisiert die lebensspendende Funktion des Wassers.
Johannes der Täufer nimmt die Mitte des geöffneten Flügelaltares ein - als Statue aus Holz, mit dem Gotteslamm, auf das er hinweist. Ebenso ist er auf dem Flügelgemälde gleich neben St. Georg bei geschlossenem Altar zu sehen, während er an gleicher Stelle bei geöffnetem Altar bei der Taufe Jesu erscheint.
Besonders Eindrucksvoll ist die Darstellung seiner Enthauptung, bei geöffnetem Altar gleich links neben dem hl. Florian. Johannes der Täufer wird damit zu einem Vorzeigebeispiel, wie ein Mensch Gott dienen, seine Mitmenschen lieben und Zeugendienst für Jesus Christus leisten kann.
In der Fasten- und Passionszeit ist der Flügelaltar geschlossen. Die beiden Tafelgemälde der Flügelrückseiten werden dann sichtbar. Der Abschied Jesu von den Frauen (rechts), die ihn von Galiläa bis nach Jerusalem begleitet haben. Sie trauern über seinen bevorstehenden Tod.
Neben dem Täufer haben das Brüderpaar Simon Zelotes und Judas Thaddäus als die Schutzheiligen des Orlatales einen besonderen Stellenwert im Altar. Sie werden dargestellt mit den Werkzeugen, mit denen sie umgebracht worden: einer großen Säge und einer schweren Keule. Wie die Heiligen in den Wolken der Predella haben auch diese eine Zeugendienst für Jesus versehen. Sie haben ihr Leben verloren um seinetwillen und dadurch das ewige Leben gewonnen.

Eine Betrachtung des Cranach-Altares ist im Sommer zu jedem Gottesdienst und samstags von 10.00 bis 12.00 Uhr möglich. Außerhalb dieser Zeiten kann man sich problemlos im Büro des Pfarramtes, Kirchplatz 2 (gegenüber des West-Einganges der Kirche), melden.

Quelle: Schnell, Kunstführer Nr. 2314, 1. Auflage 1997

Die historische Fincke-Orgel

1544 erhielt die Stadtkirche St. Johannis eine Orgel. Das heutige Orgelwerk stammt aus dem Jahre 1727. Der Saalfelder Orgelbauer Johann Georg Fincke, dessen Arbeit auch Johann Sebastian Bach zu schätzen wusste, schuf hier im Thüringer Raum eine Anzahl Orgeln. Die letzte noch erhaltungswürdige Fincke-Orgel befand sich hier in der Johannis-Kirche. 1993 führte die Orgelbaufirma Schuke die Rekonstruktion durch. Die zwei - manualige Orgel hat 22 Register und 1464 Pfeifen.
Wie auch bei anderen barocken Orgeln zu beobachten, ist dieses Instrument nicht nach dem Kammerton "A" gestimmt, sondern sie erklingt 1 ½ Töne höher.
So erklingen barocke Orgelkonzerte besonders strahlend.

Die Glocke "Susanna"

Am 16. September 1479 wurde die große Glocke der St. Johanniskirche auf dem Marktplatz gegossen. Ein großer Stern im Pflaster kennzeichnet noch heute die Stelle des Glockengusses. Die große Glocke wurde - so wie damals üblich - beim Guss "getauft" und erhielt den Namen "Susanna". "Susanna" ist eine Ableitung von "Hosianna", und bedeutet: "Gott, hilf doch!"
Für den Glockenguss hatte man 66 Zentner Glockenspeise benötigt.
Die "Susanna" ist damit die zweitgrößte Glocke in Thüringen.
In deutscher Übersetzung lautet die Glockeninschrift:
"Im Jahr des Herren 1479 - Dieser Siegestitel möge uns vor allem Bösen bewahren: Jesus von Nazareth, König der Juden".
Auf dieser Glocke sind zwei Ritz-Zeichnungen angebracht. Sie zeigen Johannes den Täufer als Patron der Kirche und eine "Mondsichel-Madonna", also Maria als Himmelskönigin mit dem Christus-Kind. An der "Susanna" finden wir im unteren Kranz Blätter und die Namen der vier Evangelisten, die in die vier Himmelsrichtungen zeigen. Im Mittelalter war man überzeugt:
So weit man die Glocke hört, so weit möge sie das Böse bannen.

Der Taufstein in der St.Johannis-Kirche

Der spätgotische Taufstein wurde laut Kirchenrechnung 1494 von der Bäckerinnung gestiftet. Auf der Nordseite des Taufsteines kann man im Schild des Evangelisten Johannes die Brezel als Innungszeichen deutlich erkennen. Die Evangelisten Matthäus, Markus und Johannes werden mit ihren Symbolen Engel, Löwe und Adler auf dem Taufstein dargestellt. Das Taufbecken selbst wird von 12 Säulen getragen. Sie stehen symbolisch für die 12 Apostel, denen ja der Auftrag zur Missionierung und Taufe gegeben wurde.
Das Taufbecken trägt auf dem oberen Rand noch ein Weihekreuz. Die sechseckige Form des Taufbeckens ist ungewöhnlich. Die Frage, weshalb von der runden Form abgewichen und ein Sechseck gewählt wurde, konnte bisher nicht beantwortet werden.

Quelle: Evangelisch-Lutherisches Kirchenamt Neustadt (Orla)

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