Neustadt an der Orla

Blick auf Neustadt an der Orla Blick auf Neustadt an der Orla

Wer heute durch die so genannte "Orlasenke" fährt, kommt an Neustadt an der Orla nicht vorbei. Eine Stadt, die viele Jahre im Verborgenen schlummerte, ist zu neuem Leben erwacht.

Was die Leute immer schon wussten ist, dass man in Neustadt an der Orla Karneval feiert, der mittlerweile eine weit über 50-jährige Tradition aufweisen kann. Was die Leute ebenfalls schon wussten ist, dass der Reformator Martin Luther mehrfach in Neustadt an der Orla weilte. Er kontrollierte seinerzeit die Bewohner des Augustiner-Eremitenklosters und predigte auch in der Stadtkirche Sankt Johannis. Der Name "Lutherhaus" resultiert aus diesen Besuchen und bezeichnet eines der schönsten Bürgerhäuser am Marktplatz zu Neustadt. Was viele Leute außerhalb von Neustadt an der Orla nicht wissen ist, dass in der Stadtkirche Sankt Johannis ein Altar steht, der aus der Werkstatt von Lucas Cranach kommt und ca. 500 Jahre alt ist.
Was selbst Einheimische oft nicht wissen ist, dass Neustadt an der Orla der Ursprung des deutschen Karussellbaus ist und im Museum am Kirchplatz eine sächsisch-thüringische Landkartenausstellung des 16. - 19. Jahrhunderts zu sehen ist, worum die Neustädter oftmals beneidet werden.

Kurzum, Neustadt an der Orla ist eine Stadt mit Historie, die heute noch knapp 9000 Einwohner hat und über 70 Vereine.
Sie liegt nicht weit vom Schnittpunkt der A 4 und A 9 entfernt und damit fast im Zentrum des Autobahnverkehrs.
2012 wurde Neustadt an der Orla 725 Jahre alt.

Die Bürger von Neustadt waren fleißige und gescheite Leute, die durch ihre Arbeit durchaus auch zu Wohlstand kamen. Das kann man heute noch sehen anhand der steinernen Zeugen, die überall in der Stadt zu finden sind.
Das schönste Gebäude am Markt ist das spätgotische Rathaus, das 1464 aus zwei schon bestehenden Häusern zusammengeschlossen wurde. Es ist heute wie früher immer noch Amtsgebäude und Sitz des Bürgermeisters.
Nur der Pranger in Neustadt, in Form einer steinernen Kröte, wird heute nicht mehr verwendet. Das Original kann man im Museum am Kirchplatz bestaunen.
Übrigens, auch der Kirchplatz, der aufwändig saniert wurde, ist ansehenswert.
Auf dem Weg vom Kirchplatz zum Marktplatz findet man ein weiteres Zeugnis zur Geschichte der Stadt - die Fleischbänke. Die Fleischer durften im Mittelalter nur hier und unter Kontrolle des Stadtrates ihre Produkte verkaufen. Das Wort "Gammelfleisch" kannte man damals noch nicht.
Auch August der Starke hinterließ in Neustadt an der Orla seine Spuren. Er musste die Gräfin Cosel unterbringen und baute das von uns so bezeichnete "Kursächsische Palais". Die Gräfin kam nicht. Heute ist das Gebäude der repräsentative Sitz der Sparkasse Saale-Orla in Neustadt an der Orla.
Und damit niemand vergisst, wie weit Dresden und andere Orte von Neustadt entfernt sind, ließ August der Starke auch noch zwei Postmeilensäulen errichten, die in ihrer Art immer wieder beeindrucken.
Nunmehr hat das Schloss, welches von den Herzögen von Sachsen-Zeitz erbaut wurde, nach langem Dornröschenschlaf wieder eine Nutzung erhalten. Eine Ganztagsschule ist dort eingezogen, die künftig noch erweitert werden soll. Damit ist eine Verbindung zwischen alter Gebäudesubstanz mit moderner Nutzung geschaffen worden, die sich sehr gut ins Stadtbild einordnet.

Neustadt an der Orla wurde in einer Urkunde erstmals im Jahre 1287 erwähnt. Wir wissen aber, dass die Wurzeln Neustadts schon viel früher ausgeschlagen hatten. Arnshaugk ist etwa seit dem Jahr 1000 bekannt und 1120 wird in einer Schenkungsurkunde "nova villa" erwähnt. Die Herren von Lobdeburg müssen irgendwann zwischen 1180 und 1250 die Gründung von Neustadt vollzogen haben.

Panorama vom Kirchturm auf Neustadt an der Orla500

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