Die Hausgeschichte des Lutherhauses

Was hat Martin Luther mit dieser Stadt und dem Lutherhaus zu tun?

Man sagt, er habe ein oder zweimal hier im Lutherhaus übernachtet. Doch was ist dran an dieser weit verbreiteten Annahme

Es stimmt, dass Martin Luther zweimal in Neustadt gewesen ist und dort auch übernachtet hat: Ein erstes Mal 1516 als Provinzialvikar des Augustiner-Eremiten-Ordens, als er den Konvent visitierte und ein zweites Mal 1524 auf einer Reise durch Ostthüringen, als er gegen den Bilderstürmer Andreas Bodenstein, genannt Karlstadt, vorging. Er predigte in der Stadtkirche St. Johannis mit ihrem bedeutenden Cranach-Altar

Als Augustinermönch wird Luther jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Schlafplatz im hiesigen Kloster gefunden haben.

Die Verbindung zum sogenannten "Lutherhaus" beruht offenbar auf dem mündlich überlieferten Gerücht, das Augustiner-Kloster habe am Markt ein Gästehaus besessen.

Weil es sich dabei ja um einen prächtigen Bau gehandelt haben muss, kam nur das Haus Rodaerstraße 12 in Betracht. Wissenschaftliche Nachforschungen haben aber ergeben, dass das Kloster abgesehen vom Klostergelände, in der Stadt keinerlei große Flächen und Güter besessen hat. Die vermeintliche Geschichte des Hauses ist heute nur eine schöne Legende.

Lutherhaus. Wo Luther wahrscheinlich niemals wohnte.

Das Lutherhaus in Neustadt an der Orla zählt zu den bedeutendsten Zeugnissen des reformationszeitlichen Bürgerhauses in Thüringen. Entstanden ist es im Jahre 1574 unter Einbeziehung eines älteren, um 1452 errichteten Hausteils. Das dreigeschossige, mit seinem Giebel zum Markt hin ausgerichtete Gebäude ist durch die außergewöhnliche Fülle an authentischen Ausstattungsdetails und Raumfassungen des 16. Jahrhunderts ein seltenes Zeugnis bürgerlicher Wohn- und Arbeitskultur der Reformationszeit.

Zu nennen sind die repräsentative Renaissancefassade mit Schmuckerker, die für die Nutzung als Handels- und Wohnhaus kennzeichnende Raumdisposition mit Hofdurchfahrt und Kontor im Erdgeschoss und repräsentativen Wohnräumen in den beiden Obergeschossen und nicht zuletzt Einbauten wie die beiden verzierten und ornamental bemalten Bohlenstuben. Bemerkenswerte Fassungsbefunde, unter anderem eine Christusfigur als Gefachmalerei in einem Raum des Obergeschosses, bezeugen darüber hinaus nicht nur die Schmuckfreudigkeit der Zeit, sondern auch die Durchdringung des bürgerlichen Alltags mit religiösen Inhalten, auch und gerade im Zeitalter der Reformation.

Als authentisches Zeugnis der Reformationszeit ist das Lutherhaus in Neustadt an der Orla ein national bedeutendes Kulturdenkmal und wurde anlässlich des Reformationsjubiläums im Jahr 2017 bereits am 31.10.2016, dem Reformationstag, feierlich eröffnet.