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Klimaschutz

© Tom Horak, Weira

Zum 01. Juli 2022 hat in der Stadtverwaltung erstmalig ein Klimamanager seine Arbeit aufgenommen. Gern können Sie mit ihm bei Fragen, Ideen oder auch möglichen Lösungsvorschlägen in Kontakt treten:

Karsten Schmidt
Klimamanager der Stadt Neustadt an der Orla
Telefon (03 64 81) 85 0  |  klima@neustadtanderorla.de

Für diejenigen, die sich fragen, was ein Klimamanager macht, oder warum man einen derartigen Posten braucht, möchte ich kurz erläutern, welche Aufgaben zukünftig zu leisten sind. Uns allen wird in diesen Tagen mehr oder weniger deutlich bewusst, dass wir den Weg der Vergangenheit künftig kaum noch bestreiten können.

Die Rohstoffkrise, Energiepreise, Trockenperioden oder auch Extremwetterereignisse sind nur einige Schlagwörter, die uns derzeit alle betreffen.

Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es Ursachen, die zu der aktuellen Klimaveränderung beigetragen haben. Aber was bedeutet eigentlich der Begriff Klima? Aus territorialer Sicht bedeutet Klima ein sich jährlich wiederholendes Ereignis, welches sich auf einen bestimmten Bereich bezieht.
Betrachtet man den Begriff aus einer eingeengten, räumlichen Sicht, so kann man den Zusammenhang von Temperatur und Luftfeuchte als maßgebliche Grundfaktoren benennen.

Auch auf das sog. Wohlfühlklima sei verwiesen, welches für jeden selbst bedeutet, dass er sich im eigenen Lebensraum über den Jahresverlauf hinweg gute Bedingungen zum Leben geschaffen hat, oder schaffen sollte - um eine langfristige Zufriedenheit sicher zu stellen . Hier wollen und müssen wir an der Verbesserung unserer Stadt und ihren Kommunen arbeiten.

Entscheidende Faktoren sind Kosteneinsparungen bei Energie und weiteren Ressourcen, die Entwicklung eines gemeinsamen Konzeptes von nachhaltigen, erneuerbaren Energien sowie die Entsiegelung und der Wasserrückhalt in der Fläche.  Mit einer verbesserten grünen Infrastruktur können wir zwei wesentliche Aspekte verbinden, verbesserte Lebensbedingungen und ein präventiver Artenschutz durch Biotopvernetzungen.

So sollten wir alle aus dem Selbstverständnis heraus jederzeit versuchen, einen eigenen Beitrag für ein positives Klima jeglicher Art zu leisten.

Klima- und artenfreundliche Bewirtschaftung von Grünflächen

Viele fragen sich, welchen Beitrag ein jeder selbst leisten kann, um das Klima, wenn zum Teil auch nur das Mikroklima, zu verbessern. Zurzeit erwärmen sich die versiegelten Bereiche enorm. Je dunkler die Fläche, umso heißer ist die Oberflächentemperatur.

Werfen wir zuerst einen Blick auf die noch verbliebenen Grünflächen in der Stadt und in den Ortsteilen, so besteht die Durchschnittsmeinung: „Der Rasen muss immer einen gepflegten Eindruck hinterlassen. Kurz und korrekt soll der Schnitt sitzen, dann sieht´s gut aus!“ Doch mit jedem kurzen Pflegeschnitt ist die Gefahr des Vertrocknens und der Erosion enorm hoch. Es fehlt an Puffermöglichkeiten in Trockenzeiten.

Betrachten wir diese wertvollen Flächen nun einmal aus der Sicht der Klimaneutralität und Biodiversität, so leisten besonders Grünflächen mit ihrer Wasserspeicherfähigkeit, Struktur und Artenvielfalt auch in der Stadt einen großen Beitrag für ein besseres Klima. Wir sollten daher beginnen, diese Flächen als CO2-Senken zu entwickeln, damit diese Flächen zum besseren, ökologischen Fußabdruck der Stadt beitragen können. Dazu sollten diese Flächen auch im Sommer Feuchtigkeit aufnehmen, eine Restfeuchte speichern und ebenso durch Verdunstung eine Überhitzung der versiegelten Bereiche etwas abpuffern können.

Wir sollten unsere Flächen einmal aus einer anderen Sicht betrachten. Hierzu bitte ich Sie, einem kleinen Versuch zu folgen: „Schließen Sie die Augen und stellen Sie sich vor, Sie befinden sich in der heißen Wüste. Vor Ihnen liegt eine grüne, schattige Oase, in der Sie jetzt ganz kurz Rast machen können“ – Wie fühlen Sie sich mit dem Wissen, dass Sie die Oase gleich wieder verlassen müssen? Ich bin mir sicher, dass 99 % von Ihnen in dieser Situation in der Oase bleiben wollen! Der Marktplatz unserer Stadt mit dem historischen Kern ist ein ganz besonderer Ort. Am 19.07.2022 um 15.35 Uhr wurde in der Wetterstation Schmieritz - Weltwitz eine Temperaturspitze von 35° C im Schatten registriert. (Quelle: wetter.com)

Der Marktplatz wirkte wie leergefegt. Ausschließlich im Schatten der beiden Linden sowie unter den Sonnenschirmen der Gastronomen waren vereinzelt Menschen anzutreffen. Exemplarisch für alle versiegelten Flächen wird am Beispiel des Marktplatzes deutlich, wie sehr die Temperaturen in verbauten Bereichen ihre Wirkung vergrößern.

Wir kennen die Wirkung der Sonneneinstrahlung auf versiegelte Flächen. Am 19.07.2022 wurde ein vereinfachtes Experiment durchgeführt, um die Temperaturunterschiede im bebauten Bereich auf verschiedenen Flächen darzustellen. Da es sich nicht um wissenschaftliche Daten handelte, wurde auf ein geeichtes Thermometer verzichtet. Es wurden Messungen um 12:00 Uhr MESZ sowie um 16.00 Uhr an vier verschiedenen Standorten durchgeführt. Allein die Temperaturunterschiede belegen, welchen positiven Einfluss funktionelle Grünflächen in der Landschaft im Sinne des Klimaschutzes haben können.

Jeder, der im eigenen Bereich Grünflächen erhält und pflegt, sollte sich seiner Möglichkeiten bewusstwerden, mit dem eigenen Handeln etwas für das Klima zu erreichen. Die übliche Praxis, jede Grünfläche so intensiv zu bearbeiten, sodass es keine Wasserspeichermöglichkeiten an der Oberfläche des Bodens unter den Pflanzen mehr gibt, bedeutet zwangsläufig, dass die Grünflächen keine klimafreundlichen Flächen mehr sind, sondern sich eher zu klimaschädlichen Flächen entwickeln.

Wir sind also gemeinsam dazu angehalten, die eigenen Anforderungen an Aussehen und Handeln hinter die ökologischen Grundlagen zu stellen, wenn wir zur Verbesserung der Klimasituation beitragen wollen.

Ich freue mich sehr auf Vorschläge und Beiträge von Bürgerinnen und Bürgern, die in unserem Bereich schon aktiven Arten- und Klimaschutz betreiben. Schön wäre eine kurze Vorstellung des eigenen Projektes mit Ort, Größe, Zeitraum und Zielen dessen. Text und entsprechend beschriftete Bilder bitte mit Angabe des Autoren gern an Klima@neustadtanderola.de

Mit der Nationalen Klimaschutzinitiative initiiert und fördert das Bundesumweltministerium seit 2008 zahlreiche Projekte, die einen Beitrag zur Senkung der Treibhaus-gasemissionen leisten. Ihre Programme und Projekte decken ein breites Spektrum an Klimaschutzaktivitäten ab: Von der Entwicklung langfristiger Strategien bis hin zu kon-kreten Hilfestellungen und investiven Fördermaßnahmen. Diese Vielfalt ist Garant für gute Ideen. Die Nationale Klimaschutzinitiative trägt zu einer Verankerung des Klimaschutzes vor Ort bei. Von ihr profitieren Verbraucherinnen und Verbraucher ebenso wie Unternehmen, Kommunen oder Bildungseinrichtungen.“