Neustadt an der Orla
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Ehrenbürger der Stadt Neustadt an der Orla

Das Ehrenbürgerrecht als höchste allgemeine Ehrung, die die Stadt Neustadt an der Orla zu vergeben hat, kann Personen verliehen werden, die sich in herausragender Weise um die Stadt und das Wohl ihrer Bürger verdient gemacht haben. Es wird auf Lebenszeit verliehen und erlischt mit dem Tode.
Bisher sind uns folgende Persönlichkeiten bekannt, die das Ehrenbürgerrecht verliehen bekamen:

Maximilian Justus Günther von Schreibershofen


Maximilian von Schreibershofen entstammte einer Neustädter Familie und wurde 1785 hier geboren. Er war Sächsischer General der Infanterie, Generaladjutant des Königs Friedrich August II. und Mitglied der deutschen Bundesmilitärinspektionskommission. Für sein Land kämpfte er 1806 in der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt gegen die Truppen Napoleons, nahm 1813 an der Völkerschlacht in Leipzig teil und zog 1815 als Adjutant des englischen Generals Wellington bei Waterloo zum dritten Mal in den Krieg. Am 2. Dezember 1850 wurde er in den Ruhestand entlassen, welchen er noch mehr als dreißig Jahre erleben konnte. Am 24. Dezember 1881 starb er im Alter von 96 Jahren in Dresden.

Johann Gottlieb Rintsch


Johann Gottlieb Rintsch wurde 1788 in Wittenberg geboren, ging dort zur Schule und studierte ebendort Theologie. Der Französische Krieg unterbrach das Studium und so erlangte er erst 1810/11 den Grad des Magisters in Dresden. Im Frühjahr 1814 übernahm er die Stelle des Superintendenten und Oberpfarrers in Neustadt an der Orla. Er war zweimal verheiratet, jedoch war ihm das Glück eigener Kinder nicht vergönnt. So engagierte er sich neben seinem Wirken in der Kirche auch für die benachteiligten Menschen in Neustadt. Unter seiner Hand wurde in Neustadt eine „Kinderbewahr- und Beschäftigungsanstalt“ gegründet, in welcher arme und verwaiste Kinder Obhut fanden. Um der Kinderbettelei entgegen zu wirken, gründete er 1853 daraus den ersten "Kindergarten". Anlässlich seines 50. Amtsjubiläums im Jahre 1864 benannte man die Einrichtung als "Rintsch-Stiftung" und ernannte ihn zum Ehrenbürger der Stadt Neustadt an der Orla. 1867 verstarb er in Neustadt.

Hugo Erdmann Müller


Hugo Erdmann Müller wurde 1817 geboren. Von 1850 bis 1865 war er Direktor des Neustädter Kreises und Bezirksdirektor des Verwaltungsbezirkes, von 1852 bis 1894 Mitglied und zeitweise Präsident des Landtages sowie Geheimer Staatsrat in Altenburg. Während seiner Amtszeit setzte er sich persönlich zum Wohle aller Bevölkerungsschichten und verbesserter Lebensbedingungen in Neustadt an der Orla ein. So errichtete er eine "Kinderbeschäftigungsanstalt", eröffnete die höhere Bürgerschule in Neustadt und trug zur Erschließung der Landschaft z.B. durch die Genehmigung der Eröffnung von Gaststätten außerhalb der Stadt bei. Am 2. Januar 1866 wurde er daher zum Ehrenbürger der Stadt Neustadt an der Orla ernannt. Nach seinem Tod 1899 in Dresden wurde aus seinem Erbe die Hugo-Müller-Stiftung gegründet, welche sich weiter für arme Menschen in Neustadt einsetzte.

Heinrich Ferdinand Säuberlich


Heinrich Ferdinand Säuberlich war von 1840 bis 1877 Lehrer an der Bürgerschule in Neustadt an der Orla. Am Tage seiner Goldenen Hochzeit, dem 20.Juni 1883, wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Neustadt an der Orla ernannt. Mehr als 20 Jahre war er Mitglied im Landtag und im Gemeinderat der Stadt, war Verwaltungsausschussmitglied der Sparkasse und 1861 Mitbegründer des Neustädter Gewerbevereins. Er war zudem über viele Jahre Redakteur des Neustädter Kreisboten. Im Jahre 1860 initiierte er zudem die Gründung der „Tannenstiftung“ zum Ausbau der hiesigen Stadtkirche. Die Fertigstellung des Projektes 1894 hingegen erlebte er nicht mehr, da er im November 1885 verstarb.

Karl Friedrich Ferdinand Reußner


Karl Friedrich Ferdinand Reußner wurde 1813 in Triptis geboren. Nach seinem Studium war er zunächst Hauslehrer in Geroda und wurde 1856 Diakonus und Rektor der Stadtschule in Weida. Im Jahre 1867 übernahm er das Amt des Oberpfarrers und Superintendenten in Neustadt an der Orla. Aufgrund seiner Verdienste wurde er am 1. Mai 1893, am Tag seiner Pensionierung, in der Stadtkirche zum Ehrenbürger der Stadt Neustadt an der Orla ernannt. Er verstarb im Jahre 1895 in Neustadt.

Otto von Bismarck


Reichskanzler Otto Fürst von Bismarck lebte von 1815 bis 1898. Aus Anlass seines 80. Geburtstages am 1. April 1895 wurde ihm das Ehrenbürgerrecht der Stadt Neustadt an der Orla verliehen. Neustadt tat es damit allen anderen Städten des Thüringer Städteverbandes gleich.

Eduard Richard Fritzsche


Eduard Richard Fritzsche wurde 1860 in Neustadt an der Orla als Sohn des Tuchfabrikanten Franz Fritzsche geboren. Er besuchte zunächst die Neustädter Schule und erlangte danach an der Oberrealschule in Gera sein Abitur. Neben seinem Vater und seinen Brüdern arbeitete auch er in der väterlichen Tuchfabrik und trug zum Erfolg des Unternehmens bei. Er selbst jedoch lebte bescheiden und einfach. Sein Vermögen spendete er schon zu Lebzeiten für die Gesundheitsfürsorge und die Linderung der Kriegsnöte. Er war stets ein Freund und Helfer der Armen, Kranken und Bedrängten und wurde daher im Jahre 1918 zum Ehrenbürger der Stadt Neustadt an der Orla ernannt. Im Jahre 1923 starb er im Alter von 63 Jahren in Neustadt.

Dr. med. Armin Trübiger


Dr. med. Armin Trübiger wurde 1847 in Quirla geboren. Als Allgemeinmediziner praktizierte er über mehr als 50 Jahre in Neustadt an der Orla. Zwar wollte er seinen Ruhestand in Rudolstadt genießen, musste dann aber aufgrund von mangelnder medizinischer Versorgung in Neustadt und der umliegenden Region zurückkehren. So hatte er zu Lebzeiten viele arme Kranke nicht nur unentgeltlich ärztlich behandelt, sondern auch anderweitig unterstützt. Daher wurde er anlässlich seines 80. Geburtstages am 11. Juli 1927 zum Ehrenbürger der Stadt Neustadt an der Orla ernannt. Im Jahre 1934 starb er im Alter von 86 Jahren eben hier.

Peter Tanz


Peter Tanz wurde am 27. August 1938 in Weimar geboren. Hier besuchte er die Schule und absolvierte dann eine Lehre als Fräser und Hobler. Seit 1965 studierte er Theologie in Leipzig und wurde im November 1975 zum Pfarrer in Moderwitz gewählt. In den 1980er Jahren war er ebenso als Jugendpfarrer in Neustadt tätig. In Neustadt an der Orla ist er zudem untrennbar mit der demokratischen Revolution 1989/1990 verbunden. So prägte er nachhaltig die Entwicklung und Ausrichtung der örtlichen Bewegung und wurde zum Sprachrohr und Leiter der Protestbewegung.

Am 12. Oktober 1989 fand unter seiner Leitung das erste politische Friedensgebet in Neustadt statt. Am Vorabend seines 70. Geburtstages, dem 26. August 2008, wurde ihm daher das Ehrenbürgerrecht der Stadt Neustadt an der Orla verliehen.

Im Dezember 2012 ist Pfarrer Tanz im Alter von 74 Jahren verstorben.

Frau Prof. Dr. Dagmar Schipanski - Präsidentin des Thüringer Landtages von 2004 bis 2009 - gratuliert Herrn Pfarrer Peter Tanz zur Verleihung des Ehrenbürgerrechts der Stadt Neustadt an der Orla im Jahr 2008

Wie in zahlreichen Städten und Gemeinden Deutschlands, wurden auch in Neustadt an der Orla während der Zeit des Nationalsozialismus Ehrenbürgerrechte verliehen an Paul von Hindenburg, Fritz Wächtler, Wilhelm Frick und Adolf Hitler. In seiner Sitzung vom 25. September 2008 entzog der Stadtrat der Stadt Neustadt an der Orla den genannten Personen jedoch das Ehrenbürgerrecht.