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Neujahrsempfang der Stadt Neustadt an der Orla 2020

Am Sonntag, den 05. Januar begrüßte Bürgermeister Ralf Weiße zirka 200 Gäste zum traditionellen Neujahrsempfang der Stadt Neustadt an der Orla. Neben zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern konnte er auch Vertreter aus Politik, wie die Landtagsabgeordneten Christian Herrgott und Ralf Kalisch, Landrat Thomas Fügmann sowie die Bürgermeister der umliegenden Gemeinden und die Neustädter Ortsteilbürgmeister, Kreistags-, Stadtrats- und Ortsteilratsmitglieder ganz herzlich begrüßen. Zudem waren die Schulleiter der Neustädter Schulen, Vertreter der Kirchen, Verbände und Vereine sowie der Wirtschaft anwesend.

Musikalisch umrahmt wurde der festliche Abend vom Trio Frauenrausch mit Stücken aus Oper und Operette.

Bürgermeister Ralf Weiße hielt folgende Rede:

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Gäste,

wieder ist ein Jahr zu Ende gegangen und wir alle fragen uns in jedem Jahr auf`s Neue, wo nur die Zeit geblieben ist. Und doch ist jeder Jahreswechsel, so empfinde ich es zumindest, meist ein ruhiger und  spannender Punkt im Jahresverlauf. Es ist wie ein Luftanhalten vor dem Sprung ins Wasser, das Kräftesammeln vor einem sportlichen Wettkampf: Man hält inne, denkt über die vergangene Zeit nach, entwickelt eine möglichst erfolgversprechende Strategie, vertraut auf die bereits erarbeiteten Grundlagen und nimmt daraufhin konzentriert, positiv und hochmotiviert die vor einem liegenden Aufgaben in Angriff.

Dieser Moment der Nachdenklichkeit, der Sammlung, der bewussten und möglichst fundierten Vorbereitung ist wichtig und wertvoll. Ihn zu nutzen, um die Gedanken zu ordnen, Bilanz zu ziehen und dann mit frischer Motivation und neuen Plänen ins neue Jahr zu gehen, darin sehe ich den besonderen Wert dieser Zeit.

So möchte ich gemeinsam mit Ihnen den heutigen Abend nutzen, um auf besondere Weise Rückblick zu halten und gemeinsam mit Ihnen nach vorn zu schauen. Dabei möchte ich meine Ausführungen heute Abend etwas anders als in den vergangenen Jahren gestalten.

Ich werde ganz bewusst auf den Rückblick in Bezug auf die Ereignisse außerhalb unserer schönen Stadt verzichten. Denn in Zeiten von digitaler Medienflut, von Facebook, Twitter, Instagram und Co. sind Sie, so glaube ich, reichlich mit Rückblicken dieser Art versorgt. Letztendlich sollten Sie sich ihre eigene Meinung bilden und dies unabhängig von Medien und Populisten tun. Lediglich ein kleiner bildlicher Rückblick über Ausschnitte aus unserem städtischen Leben wird sie während der Musiken begleiten. Dabei sei gesagt, dass dies natürlich nur ein kleiner Ausschnitt aus dem vielfältigen Leben unserer lebendigen Stadt ist.

Bei meinen Ausführungen möchte ich mich in den ersten zwei Blöcken  zwei ganz wichtigen Projekten widmen, die mich in den letzten Wochen und Monaten beschäftigt haben und die uns in den kommenden Wochen und Monaten noch beschäftigen werden.
Auf einen Ihnen dennoch lieb gewordenen Teil, nämlichen den der statistischen Zahlen und zukünftigen städtische Themen, werde ich im dritten Block eingehen.

Vielen Dank, dass Sie am heutigen Abend bei uns sind, dass Sie unsere Gäste sind und dass Sie mit uns zurück und nach vorn blicken möchten.

Bürgermeister Ralf Weiße mit Landrat Thomas Fügmann und Gattinnen

Meine Damen und Herren,

eines der wichtigsten Themen des vergangenen Jahres oder vielleicht sogar der vergangenen Jahre für uns in Neustadt an der Orla war die Gemeindegebietsreform. Konnten wir im vergangenen Jahr, also zum 1.1.2019 bereits das Zusammengehen mit der Gemeinde Stanau besiegeln, so können wir mit dem 1.1.2020 die Gemeinden Linda mit den Ortsteilen Steinbrücken, Kleina und Köthnitz, die Gemeinde Dreba sowie die Gemeinde Knau mit den Ortsteilen Bucha und Posen in Neustadt an der Orla begrüßen. Mit dem Beschluss des Gemeindeneugliederungsgesetzes der dritten Freiwilligkeitsphase durch den Thüringer Landtag im September des vergangenen Jahres wurde die freiwillige Eingemeindung der genannten Ortsteile sozusagen rechtskräftig. Ich bin mir Tragweite und der Konsequenzen durchaus bewusst, die dieses Gesetzt bringt und weiß, welchen Weg vielen von Ihnen in den letzten Wochen und Monaten gehen mussten. Ich weiß auch, dass dieser Weg nicht nur von Moos bewachsen war und mit Blumen am Wegesrand begleitet wurde, er ganz im Gegenteil steinig, holprig und kaum befahrbar war.

Ich weiß, dass mit der Eingemeindung viele Aufgaben auf Sie und uns zu kommen und ich weiß, dass es auch viele Bürgerinnen und Bürger gibt, die dem Ganzen kritisch gegenüberstehen, auch, dass manche Dinge nicht gleich ohne Probleme funktionieren werden. Aber trotzdem bin ich überzeugt davon, dass es für die Bedeutung unserer Stadt mit seinen alten und neuen Ortsteilen gerade in den Zeiten, in denen besonders im ländlichen Bereich die Einwohner weniger und der Altersdurchschnitt immer höher wird, der richtige Schritt ist.

Die Stadt Neustadt hat ihre Fläche mehr als verdoppelt, von einst ca.36 km² auf jetzt rund 86 km². Über 1300 Einwohner sind hinzugekommen, ebenso wie fast 170 ha Waldfläche und zahlreiche Straßen, Gebäude, Vereine, Ortsteilfeuerwehren, Gemeindehäuser, zwei Kindertagesstätten, eine Grundschule und, und, und…. Sie sehen also meine Damen und Herren vor welchen Herausforderungen wir alle stehen, denn dies alles muss eingearbeitet, verwaltet und betreut werden. Und dies muss möglichst alles reibungslos passieren. Deshalb möchte ich an dieser Stelle noch ein Wort an die Menschen in unseren neuen Ortsteilen richten.

Wir sind seit dem 1. Januar eine Stadt. Und trotzdem wird jeder Ortsteil auch weiterhin seine Identität bewahren. Uns und mir persönlich ist es wichtig, dass auch zukünftig der Charakter jedes einzelnen Ortsteiles gewahrt bleibt, dass das Leben in Orten mit ihrem starken  Zusammengehörigkeitsgefühl auch zukünftig erhalten wird.  Dass dies gelingen kann, beweisen uns unsere anderen Ortsteile immer wieder. Damit dies zum Schluss aber auch gelingt braucht es Ihren Mut, Ihre Zuversicht und Ihr Wollen. Sie, die Bürgerinnen und Bürger aus Köthnitz, Linda, Kleina, Steinbrücken, Dreba, Knau, Posen und Bucha.

Deshalb an dieser Stelle meine Bitte an Sie, machen Sie mit, lassen Sie in Ihrem Engagement nicht nach, investieren Sie auch weiterhin in Ihre schönen Orte und helfen Sie uns dabei, das Niveau und die Entwicklung weiter voran zu treiben. Gegenseitige Vorwürfe werden nicht helfen, wenn einmal nicht alles gleich so läuft, wie gewünscht. Sie werden uns nicht weiter bringen, denn nur gemeinsam werden wir die Herausforderung stemmen. Und so bitte ich auch Sie, liebe Bürgerinnen und Bürger aus Neustadt und den „alten“ Ortsteilen: helfen Sie mit, unterstützen Sie und empfangen Sie die „Neuen“ mit offenen Armen, weiten Herzen und fröhlichem Sinn. Wir sind eine Gemeinde, eine Stadt und eine Gemeinschaft.

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In diesem Sinne gestatten Sie mir, unsere „Neuen“ etwas vorzustellen. Die größte zu uns kommende Gemeinde ist die Gemeinde Knau. Sie besteht aus den Ortsteilen Posen und Bucha, wobei Bucha und Knau sich ebenfalls im Rahmen der freiwilligen Gemeindeneugliederung seit dem 1.1.2019 zusammengeschlossen hatten. Knau ist mit 15,93 km² zwar von der Fläche nicht der Größte der neuen Ortsteile, aber mit 718 Einwohnern der einwohnerreichste. Knau wurde erstmals 1378 urkundlich erwähnt und hat bis heute eine interessante und vielschichtige Entwicklung genommen. Der Ort wurde im Mittelalter vom Kloster Saalfeld zu einem wichtigen Wirtschafts- und Verwaltungszentrum für das angrenzende Teichgebiet entwickelt und war zugleich eines der größten Güter in Thüringen. Politischen Einfluss erlangte Knau im späten 15. Jahrhundert mit der Familie von Gräfendorf. Einer der Gräfendorfs war als Rat und Kämmerer bei Kurfürst Johann dem Beständigen angestellt und gestaltete so die Umbrüche der Reformationszeit für unsere Region entscheidend mit.

Im frühen 17. Jahrhundert wurde der einstige Klosterhof zum Rittergut. Noch heute kann man am repräsentativen Bauwerk des ehemaligen Rittergutes die Spuren seiner langen Geschichte ablesen. Der Festsaal, der sich als einer von ursprünglich zwei Sälen in der Anlage erhalten hat, gilt als größter freitragender Renaissance-Saal nördlich der Alpen. Momentan hat das Herrenhaus leider keine Nutzung, obwohl intensiv an Lösungen gearbeitet wird. Aber die Knauer haben es durch viel Engagement geschafft, den Bereich des Rittergutes zu entwickeln und ein Stück weit zu sichern, so, wie man es letztlich auch geschafft hat, die gesamte Gemeinde immer wieder weiter zu entwickeln, trotz der Schwierigkeiten, die gerade kleine Gemeinden im ländlichen Raum immer wieder haben.

Einen nicht unerheblichen Anteil an dieser Entwicklung hat sicherlich auch ein ansässiges Agrarunternehmen. Sie wissen mit Sicherheit, welches ich meine - die Agrofarm Knau.  Als größtes Unternehmen der Gemeinde ist die Agrofarm Knau nicht nur Arbeitgeber für weit mehr als 200 Menschen und der größte Gewerbesteuerzahler, sondern ist engagiert und im Ort präsent und unterstützt die Gemeinde unkompliziert. Dafür an dieser Stelle auch meine Anerkennung und mein Dank. Bedanken möchte ich mich aber natürlich auch an dieser Stelle bei allen anderen Unternehmen der Gemeinde Knau, bei den Vereinen und Verbänden und bei allen, die durch ihr Engagement dazu beigetragen haben, das Knau eine positive Entwicklung genommen hat. Ich glaube mit der Eingemeindung nach Neustadt an der Orla haben die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Knau einen starken Partner an ihrer Seite und gemeinsam sind die Möglichkeiten bei der Umsetzung von Projekten und bei der weiteren Entwicklung, gerade in nicht immer ganz einfachen Zeiten, deutlich besser.

Übergabe des Ortsschildes an Thomas Wunsch
aus: Historische Sammlungen der Stadt Neustadt an der Orla, HA-5316

Das zeigt uns im Übrigen auch ein Blick in die Geschichte.

Eine Akte aus den Historischen Sammlungen der Stadt Neustadt an der Orla beispielsweise weiß über diese Verbundenheit zu berichten. Im Jahre 1879 fand ein ehrbarer Bürger der Gemeinde Knau im Armenhaus in Neustadt Zuflucht. Jener Bürger war verarmt und zog, wie er selbst aussagt, mehrere Jahre in der Gegend von Saalfeld, Pößneck und Neustadt umher. Bei einem erneuten Almosenbitten an den Gemeindevorstand von Knau wurde er von den Gemeindeältesten „fortgewiesen“. So wandte er sich nach Pößneck, erhielt vom dortigen Oberbürgermeister 20 Pfennige Unterstützung mit dem Auftrag, wie könnte es anders sein, sich nach Neustadt zu begeben, um sich bei der für Knau zuständigen großherzoglichen Bezirksdirektion zu melden. Diese wies den Mann an die Stadt weiter. Die städtische Fremdenherberge nahm ihn zunächst auf, wofür die Stadt schließlich aufkam. Diese zahlte für ihn nötige Krankenhauskosten, Verköstigung und Wäsche. Der Knauer wurde schließlich Neustädter.

Mit dieser Offenherzigkeit möchte ich nun die Gemeinde Knau ganz herzlich in Neustadt an der Orla willkommen heißen und darf den Ersten Beigeordneten, Herrn Thomas Wunsch, nach vorn bitten, denn natürlich wollen wir dies auch entsprechend symbolisch verewigen.

Meine Damen und Herren,

eine weitere Gemeinde, die nun in unserer Mitte ist, ist die Gemeinde Dreba. Mit Bürgermeisterin Petra Herzog und dem rührigen Gemeinderat sind wir gleichsam, wie mit Knau, schon lange im Gespräch. Die Gemeinde Dreba ist mit 231 Einwohnern und einer Fläche von knapp 12,5 km² ein hübscher kleiner Ort mit vielen engagierten Menschen. Dreba wurde 1302 erstmals urkundlich erwähnt und ein Highlight ist mit Sicherheit die barocke Dorfkirche aus dem Jahr 1752. Aber auch sonst ist Dreba ein sehr einladendes und gemütliches Dorf, das neben einer hervorragenden Gastronomie, einem außerordentlich reichhaltigen Kulturprogramm, besonders wegen des Naturschutzgebietes, dem „Drebaer-Plothener Teichgebiet“ oder dem „Land der tausend Teiche“ bekannt ist. Das größte zusammenhängende Teichgebiet in Thüringen ist nicht nur aufgrund seiner Vielfalt und Schönheit ein für Thüringen einzigartiges und europaweit bedeutsames Feuchtgebiet, sondern beherbergt zudem seltene Tier- und Pflanzenarten und einen herausragenden Vogelbestand. Auch der dort befindliche Campingplatz gehört zur Gemeinde Dreba. Dieser bietet die richtige touristische Infrastruktur, das Gebiet näher zu erkunden. Ein herausragendes Alleinstellungsmerkmal für die Gemeinde ist sicherlich die Drebaer Kultur- und Heimatstiftung. Gemeinschaftlich engagieren sich hier die Bürger. Sie organisieren von Kinder-Lesestunden, über Chor- und Orgelkonzerte sogar die „Kultur im Kuhstall“. Hier werden Filme gezeigt, es wird getanzt oder ein zünftiges Frühshoppen gefeiert. Die neueste Attraktion im Ort ist die Drebaer Kuhwiese, die als Familientreffpunkt vor allem auch ein Ort der sportlichen Aktivität ist. Hier entstand 2019 eine moderne Skaterbahn, Platz für Fußballtore, eine Basketball- und Volleyballanlage.

In der Stiftung ist es den Verantwortlichen gelungen, tolle Dinge zu ermöglichen. Für diesen cleveren Schachzug und auch für die Entwicklung der Gemeinde insgesamt kann man all denen, die in den vergangenen Jahren die Verantwortung getragen haben, nur gratulieren. Ich bin mir sicher, dass wir die Stärken des jeweiligen Partners nutzen werden, um gemeinsam den zukünftigen Ortsteil Dreba auch weiterhin positiv zu entwickeln.

Um die Verbindungen hierzu brauchen wir uns keine Sorgen zu machen. Denn auch hier zeigt uns ein Blick in die Geschichte, dass die Verbindungen zwischen Dreba und Neustadt schon immer enger waren, als wir dachten. Nicht nur, dass zahlreiche Drebaer in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder Gesuche an die Stadt Neustadt gestellt haben, sich hier niederlassen zu wollen und ihrem Handwerk nachzugehen, wie zahlreiche Archivstücke unseres Historischen Archives belegen. Sondern, dass es auch infrastrukturelle Verbindungen geben sollte. So bewilligte der Stadtrat der Stadt Neustadt an der Orla am 29. November 1895 einhundert Mark aus der Kämmereikasse und beauftrage Bürgermeister Wimmler höchst persönlich damit, den Bau einer Eisenbahnlinie von Schleiz über Dreba nach Neustadt und weiter nach Stadtroda voranzubringen - die sogenannte Nord-Süd-Eisenbahnverbindung Ostthüringens. Der Grund lag darin, dass die Umwege von Hof nach Weimar und Erfurt über Gera eingespart werden sollten. Hierzu wurden Komitees gegründet, zahlreiche Gutachten verfasst, interkommunale Zusammenarbeiten zwischen den Städten und Gemeinden auf dem Weg gebracht, um eine dringend benötigte Nord-Süd-Verbindung herzustellen. Besonderes Interesse hegte beim Bau der Bahn die Stadt Schleiz, denn sie fühlte sich von den thüringischen Verkehrswegen abgeschnitten und forcierte einen Bau zunächst bis Moßbach, was aber wiederum die anderen Gemeinden ablehnten. Zahlreiche Projektierungen zogen sich schließlich bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges. Auch nach dem Krieg hielt man an den Plänen fest, Dreba mit einer Eisenbahn direkt mit Neustadt zu verbinden und sogar einen Bahnknotenpunkt in Dreba zu errichten. Die Pläne wurden schließlich im August 1934 fallen gelassen, als die in Angriff genommene Autostraße in nord-südlicher Richtung, die heutige Autobahn A9, realisiert wurde. Also, sollte in Zeiten von erhitzten Klimadiskussionen dies wieder Thema werden, können wir uns zumindest die Planungskosten schon mal sparen.

Aus: Historische Sammlungen der Stadt Neustadt an der Orla, HA-1410

Aber Sie sehen, an Plänen einer Verbindung zwischen Neustadt und Dreba mangelte es auch in der Vergangenheit nicht.

Ich darf an dieser Stelle ganz herzlich die langjährige Bürgermeisterin und neue Ortsteilbürgermeisterin Frau Petra Herzog nach vorn bitten, denn natürlich möchte ich auch hier ganz offiziell unseren neuen Ortsteil begrüßen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

nach dem Aus für die Eisenbahnlinie Dreba-Neustadt können wir nun mit unserer dritte Gemeinde die seit 1. Januar zu uns gehört, nämlich die Gemeinde Linda,  eine infrastrukturelle Erfolgsmeldung bekanntgeben.

Der VEB Verbundnetz West aus Leipzig kündigte nämlich am 22. Januar 1962 dem Rat der Stadt an, dass „im Zuge der Durchführung des Siebenjahrplanes, der wie bekannt, die Hebung des allgemeinen Lebensstandards zum Ziele hat“, die Regierung der DDR eine Ferngasleitung von Linda nach Neustadt verlegt. Die Verlegungsarbeiten begannen bereits Anfang Januar 1962 in Linda und endeten im Juli 1962 im Gaswerk in Neustadt. Seitdem fließt Gas zwischen den Gemeinden und die Bande sind spätestens seither im wahrsten Sinne der Rohrleitung des Gases „vertieft“.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Gäste,

das zweite Thema, das ich Eingangs angekündigt hatte und das ich Ihnen vorstellen möchte, ist ein Projekt wozu ich Sie  und alle Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt einladen möchte mit zu tun, weil es ohne Sie nicht funktioniert. Die Stadt Neustadt an der Orla wurde im vergangenen Jahr vom Mitteldeutschen Rundfunk ausgewählt, das Land Thüringen bei der Sendung „MDR Frühlingserwachen“ zu vertreten. Beim MDR Frühlingserwachen treten drei Städte aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit einem Projekt gegeneinander an, um etwas Schönes, etwas Bleibendes und etwas Gemeinsames in ihrer Stadt zu schaffen.  Die Stadt soll dabei ein Herzensprojekt auswählen, das einen gemeinschaftlichen  Großeinsatz, verdient hat. Neustadt ist 2020 mit dabei! Als die Anfrage kam, haben wir uns lange Gedanken gemacht, wie wir damit umgehen sollen, denn schließlich bedeutet es viel Kraft, Motivation und Enthusiasmus aufzubringen, um das gesteckte Ziel zu realisieren. Und natürlich wäre es einfach gewesen, „Nein“ zu sagen. Aber Sie kennen mich inzwischen, ich bin kein Mensch der wegen zusätzlichem Aufwand oder zusätzlicher Arbeit etwas nicht tut. Vielmehr sehe ich eine tolle Chance für unsere Stadt zu beweisen, was Neustädter schaffen und erreichen können. Ich sehe dies als eine tolle Chance, unsere schöne Stadt medial auch weit über unsere Grenzen bekannt zu machen und dadurch entsprechende Effekte zu erzielen. Allerdings wird das nur gelingen, wenn wir Neustädter, und da meine ich auch alle Neustädter aus den Ortsteilen, gemeinsam mitarbeiten. Aber bevor ich Ihnen unser Projekt vorstelle und unsere Ideen nahebringe, möchte ich zunächst ganz herzlich Ulf Kneschke und Stefan Ganß vom Mitteldeutschen Rundfunk begrüßen.

Ulf Kneschke ist Chef vom Dienst für das Nachmittagsprogramm beim MDR. Er ist die Person, bei der alle Fäden der drei mitteldeutschen Städte zusammenlaufen. Stefan Ganß ist unser ganz persönlicher Ortspate und wird unser Begleiter sein, wenn es um die Umsetzung geht. Liebe Herren, bevor ich aber zu unserem speziellen Projekt komme, darf ich Sie nach vorn bitten, um selbst das Format „MDR Frühlingserwachen“ vorzustellen. [Es folgten Ausführungen der beiden Genannten.]

Stefan Ganß, Ulf Kneschke und Ralf Weiße erläutern das Projekt

Meine Damen und Herren,

aber nun vielleicht ganz speziell zu dem Projekt, mit dem wir ins Rennen gehen wollen. Geplant ist, unseren historischen und wunderschönen Stadtpark zu „veredeln“. Dabei tut es Not, Wege und Grünanlagen herzurichten, Mauern teilweise instand zu setzten, die Treppenanlage zu reparieren, unser kleines Stadtparkhäuschen malerisch in Kur zu schicken, den Rosengarten zu verschönern und die Zugänge zum Park zu gestaltet. Geplant ist darüber hinaus

einen Pavillon aus Holz herzustellen, der in einer vielfachen Nutzung Schattenspender, grünes Klassenzimmer, Catering-Bereich für Veranstaltungen und zentraler Treffpunkt im Park ist. Als eigentliches Highlight jedoch, soll die alte Blumenuhr, die sicherlich noch viele von Ihnen kennen und die in den achtziger Jahren zurückgebaut wurde, wieder hergestellt werden. Wir möchten gern den Stadtpark als gemütlichen Aufenthaltsort und als Ort für Feste wieder herrichten. Ich denke unser Stadtpark hat allein aus seiner Geschichte dafür ein enormes Potenzial. Er ist etwas ganz besonderes in unserer Stadt und genau zu dem möchten wir unseren Stadtpark mit Ihnen gemeinsam wieder machen.

Wir werden also in diesem Jahr auf den offiziellen Frühjahrsputz verzichten, um mit Ihnen und allen Neustädtern gemeinsam dieses ehrgeizige Projekt umzusetzen. Jeder wird gebraucht, ob zum Mitarbeiten, bei der Verpflegung oder zur mentalen Unterstützung. Der entscheidende Tag für uns Neustädter wird der 25. April sein, an diesem Tag haben wir 6 Stunden Zeit um all die genannten Dinge umzusetzen.

Ab 4. Mai bis 11. Mai kann dann gevotet und gestimmt werden. Stimmen Sie für unsere Stadt! Am Montag, den 11. Mai wird dann um 16.30 Uhr im MDR Fernsehen das Ergebnis bekannt gegeben. Die Stadt mit den meisten Stimmen wird der Sieger sein und dafür fünf Tage später eine Live-Dankeshow zur besten Sendezeit beim MDR bekommen. Das eigentlich Entscheidende ist aber für mich und für uns alle, dass es uns gelingt, einen der schönsten Orte unserer Stadt wieder zu dem zu machen, was er einmal war: einen wunderschönen Treffpunkt für die Menschen unserer Stadt, an dem gefeiert werden kann, wo man Veranstaltungen besuchen kann, oder wo man einfach nur zusammen kommt.

Um dies zu erreichen, gibt es eine entsprechende Arbeitsgruppe, die das Ganze federführend organisiert. Sie ist hauptsächlich im Kulturamt angesiedelt. Von dort aus werden wir Bürgerinnen und Bürger, Vereine und Unternehmen ansprechen. Selbstverständlich können sich alle, die mithelfen möchten, im Kulturamt melden. Wir benötigen nicht nur Manpower, sondern nehmen auch gern Ihre Ideen und Gedanken auf.   

Meine sehr geehrten Damen und Herren, sehr geehrte Gäste,

ich möchte nun zum dritten Teil meiner Ausführungen kommen und, wie eingangs erwähnt, möchte ich Sie über ein paar interessante statistische Zahlen informieren, aber auch kurz den Blick auf die Geschehnisse in unserer Stadt im vergangenen Jahr richten und Sie auf verschiedene  Veranstaltungen und Projekte im Jahr 2020 hinweisen.

Sie alle haben es sicherlich noch in Erinnerung, das Wahljahr 2019. Im Mai des vergangenen Jahres wählten wir das Europaparlament, das Kreisparlament und auch unser Stadtrat wurde wieder neu gewählt. Den meisten von Ihnen sind wahrscheinlich die unendlichen Wahlzettel der Europawahl noch im Gedächtnis, auf dem man zum Schluss kaum einen Kandidaten kannte.

Aber auch die Wahlen zum Kreistag oder die Wahl zum Stadtrat unserer Stadt waren wichtige Entscheidungen gerade im Hinblick auf die Entscheidungen, die in den kommenden Jahren anstehen. Ich freue mich, dass es wieder verstärkt junge Menschen gibt, die sich in der Kommunalpolitik engagieren. Aber auch gestandene und erfahrene Bürgerinnen und Bürger haben wieder den Sprung in das kommunale Parlament geschafft. Ihre Erfahrung wird in den kommenden Jahren ebenfalls wichtig sein, um die Herausforderungen zu meistern. Den Abschluss des Wahljahres bildete im Oktober die Wahl zum Thüringer Landtag. Ich glaube mit dem Ergebnis werden wohl viele gehadert haben, egal aus welcher politischen Richtung. Ich freue mich allerdings, dass mit Christian Herrgott ein Neustädter wieder den Sprung in den Thüringer Landtag geschafft hat. Deshalb an dieser Stelle nochmal meinen herzlichen Glückwunsch.

Meine Damen und Herren,

das städtische Jahr 2019 war gerade im Baubereich gekennzeichnet von Dingen, sich gut entwickelt haben, aber eben auch leider von Projekten, deren Umsetzung uns nicht gelungen ist. Dies betrifft besonders den Ausbau der Geh- und Radwege in der Triptiser Straße, die Straßenbaumaßnahme „Centbaumweg“ oder die geplanten Restaurierungsmaßnahmen am Turm unserer Klosterkirche. Die Gründe dafür sind vielfältig. Gerade bei den Tiefbaumaßnahmen warfen uns geänderte Gesetze zurück. So wurde zwar das Straßenausbaubeitragsgesetz im Sinne der Bürger geändert, was grundsätzlich gut ist. Aber bis heute ist unklar, wie die Einnahmeausfälle der Kommunen kompensiert werden. Hier muss schnellstens Seitens des Gesetzgebers Klarheit geschaffen werden. Aber es gab natürlich, wie schon erwähnt, auch viele positive Entwicklungen.

So ist es uns gerade im Innenstadtbereich gelungen, das private Engagement wieder anzukurbeln. Viele Fassaden sind erneuert wurden, Objekte und Quartiere, die schon viele Jahre leer standen, wurden angegangen. So denke ich beispielsweise an das Quartier der Brauhausgasse. Auch für das Jahr 2020 sind diesbezüglich einige Projekte in der Planung. Deshalb möchte ich mich an dieser Stelle bei allen privaten Bauherren und Investoren bedanken, die bereit sind, in Neustadt zu investieren, ganz besonders denen, die im Innenstadtbereich dazu beitragen, dass in unserer historischen Altstadt Stück für Stück alte zerfallene Objekte verschwinden. Und wenn wir bei unserer historischen Innenstadt einmal sind, möchte ich natürlich noch ein Wort zu einer Maßnahme verlieren, die für reichlich Diskussion und Gesprächsstoff in unserer Stadt gesorgt hat -  die Neugestaltung unseres Marktplatzes. Nach mehreren Sitzungen einer Arbeitsgruppe aus verschiedenen Bürgern, Interessenvertretern, politischen Vertretern der einzelnen Fraktionen und Ausschüsse und natürlich der Stadtverwaltung soll es im ersten Halbjahr fertiggestellte Planungen und entsprechende belastbare Zahlen geben, so dass der Stadtrat die notwendigen Grundlagen hat, um die weiteren Entscheidungen zu treffen. Ich bin mir sicher, dass zum Schluss Vorteile, Chancen und Risiken abgewogen werden und der Stadtrat im Interesse der Stadtentwicklung die richtige Entscheidung treffen wird. Sollte es zur Umsetzung kommen, wollen wir im März 2021 loslegen und planen mit einer Bauzeit bis Juni 2022.

Neben verschiedenen Planungen waren natürlich die Dorferneuerungsmaßnahmen in Breitenhain, Strößwitz und Stanau ein breites Thema im vergangenen Jahr und dies wird uns auch im Jahr 2020 weiterhin begleiten.

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Ansonsten werden im Baubereich auch 2020 Projekte, wie das ehemalige Zeiss-Gelände in der Gerberstraße, der Busbahnhof, die Dorferneuerungen in Neunhofen, Lichtenau und Arnshaugk und noch viele weitere mehr unsere Kräfte binden. Dazu kommen natürlich die Maßnahmen in unseren neuen Ortsteilen. Sie sehen also, wir haben uns viel vorgenommen und ich wünsche mir, dass es uns auch gelingt, die Dinge entsprechend umzusetzen.

Sehr geehrte Gäste,

ein in Neustadt an der Orla nicht wegzudenkender Bereich ist, sie können es sich denken, unser Kulturbereich. Und dieser wird durch unsere neuen Ortsteile noch viel umfangreicher werden. Das die Kultur in Neustadt an der Orla eine gewichtige Rolle spielt, wissen Sie und das nicht nur durch die städtischen Veranstaltungen, sondern auch durch unsere Vereine und durch viele engagierte Bürgerinnen und Bürger. Da denke ich zuerst an unsere Karnevalsvereine, die auch im vergangenen Jahr wieder mit zahlreichen tollen Veranstaltungen glänzten, Verantwortung übernahmen und viel Mühe und Zeit investierten. Wenn ich allein wieder an unseren Karnevalsumzug denke, an dem auch 2019 wieder über 20.000 Gäste dem Umzug einen würdigen Rahmen gaben und der jedes Jahr auf`s Neue eine große Herausforderung für die Verantwortlichen darstellt. Der Karnevalsumzug in diesem Jahr wird am Karnevalssonntag, dem 23.2. sein.  Auch hier erwarten wir natürlich wieder viele Gäste. Deshalb an dieser Stelle ein ganz großes Dankeschön an alle aktiven Karnevalisten für ihr großartiges Engagement.

Ich denke aber auch an die zahlreichen Vereine, die zum kulturellen Leben in Neustadt einen wesentlichen Beitrag geleistet haben.

Unser Förderverein für Stadtgeschichte begeisterte auch im vergangenen Jahr wieder mit Vortragsabenden und Publikationen. Erinnern möchte ich stellvertretend an die Gedenkveranstaltung zu „30 Jahre Mauerfall“.

Ob die Veranstaltungen des „Kinosommers“, die Ausstellungen des Mal- und Zeichenzirkels, die zahlreichen Vereinsfeste oder die Feste in unseren Ortsteilen, all diese Veranstaltungen sind maßgebliche Bestandteile des jährlichen Kulturkalenders in Neustadt an der Orla. Auch 2020 wird es hier wieder zahlreiche Veranstaltungen geben, die Sie natürlich im Kulturkalender der Stadt wiederfinden werden.

Doch selbstverständlich gab es auch wieder eine Vielzahl von städtischen kulturellen Veranstaltungen, zu denen tausende Besucher den Weg gefunden haben. Ganz vorn sicherlich unser Brunnenfest oder die Veranstaltungen im Rahmen unseres Neustädter MusikSommers. Aber auch Vorträge, Führungen, Konzertveranstaltungen, Lesungen, Ausstellungen, Tag des offenen Denkmals, Reformationstag, Internationaler Museumstag oder Adventsmarkt - dies alles gehörte zu einem umfangreichen kulturellen Angebot. Das dies letztlich alles möglich und umsetzbar ist, dazu braucht es einen Stadtrat, der die Philosophie mit trägt, Mitarbeiter die nicht in „acht Stunden“ Tagen denken, Sponsoren, die bereit sind, diese Dinge zu unterstützen und Menschen die bereit sind, ehrenamtlich Freizeit zu investieren. Bei Ihnen allen möchte ich mich hier und heute ausdrücklich bedanken, denn nur durch Ihre Bereitschaft zur Unterstützung ist dies alles möglich.

Meine Damen und Herren,

was erwartet uns kulturell im Jahr 2020. Einiges hatte ich schon anklingen lassen, aber vielleicht noch ein kurzer Ausblick auf ein paar Höhepunkte. Neben dem bereits ausführlich erwähnten MDR Frühlingserwachen, wird es am 6.6.2020 wieder Classics unter Sternen geben, hier ein herzliches Dankeschön an die Kreissparkasse Saale-Orla, die auch in schwierigen Zeiten ein fester Partner der Stadt Neustadt ist. Ein weiterer Höhepunkt im Kulturjahr ist sicherlich wieder unser Brunnenfest, welches diesmal vom 18.6. bis zum 21.6. stattfinden wird und wo uns am Samstagabend die Band „Hot Chocolate“  die Ehre geben wird. Erstmalig wird am Donnerstagabend, den 18.6. die Geleitstunde stattfinden, in deren Rahmen zum ersten Mal die Brunnenmeisterzeremonie stattfinden wird. Begleiten wird uns an dem Abend das Orchester der Musikschule des Saale-Orla-Kreises. Ich darf Sie heute schon alle recht herzlich zu einer Veranstaltung in einem neuen Format einladen. Natürlich wird es wieder unseren Neustädter MusikSommer geben. Mit acht Veranstaltungen an verschiedenen Orten und tollen Künstlern – eine davon im neuen Ortsteil Knau. Neben wunderbaren Ausstellungen und verschiedenen Lesungen wird es vom 03. bis 12. Juli eine Festwoche in Moderwitz mit verschiedenen Veranstaltungen geben, denn unser Ortsteil wird 900 Jahre alt. Gefeiert und gedacht werden kann aber auch zu weiteren Anlässen, wie 100 Jahr Stromversorgung in der Stadt, 25 Jahre Förderverein für Stadtgeschichte oder 900 Jahre „Nova Villa“. Würdig möchten wir am 8. Mai an das 75jährige Kriegsende des Zweiten Weltkrieges erinnern. Hier wird es ein Rahmenprogramm mit Gedenkakt und der Übergabe eines neuen Gedenkortes geben.

 

Ich glaube, dass es gerade in der heutigen Zeit, in der für viele von uns alles selbstverständlich geworden ist, es umso wichtiger ist, an diese schlimme Zeit zu erinnern. Aber natürlich wird es auch, wie im vergangenen Jahr, die traditionellen Veranstaltungen vom Neustädter KinoSommer bis zum Adventsmarkt geben. Sie sehen also, es wird auch 2020 wieder vielfältig. Nutzen Sie die Gelegenheiten und besuchen Sie unsere zahlreichen Veranstaltungen.


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Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Gäste,

ich möchte nun, wie angekündigt, noch zu einigen statistischen Zahlen kommen, die zum einen sehr interessant sind, zum anderen aber auch in gewisser Weise nachdenklich stimmen. Die Einwohnerzahl von Neustadt an der Orla mit all seinen bisherigen Ortsteilen lag zum 31.12.2019 bei 7.970 Einwohnern. Zum 1.1.2020 kommen mit unseren neuen Ortsteilen 1.316 Menschen dazu, das bedeutet, dass die Stadt Neustadt an der Orla zum 1.1.2020 9.286 Einwohner hat. Ich glaube diese Zahlen decken schonungslos die Probleme im ländlichen Bereich auf, und wir alle, da meine ich besonders die politisch Verantwortlichen, werden sich Gedanken machen müssen, wie man damit umgeht.

51 Kinder wurden 2019 in Neustadt geboren, dies sind deutlich weniger, als im Vorjahr - da waren es 76 kleine Erdenbürger. 325 Bürgerinnen und Bürger verließen Neustadt an der Orla im Jahr 2019. Dem gegenüber kamen aber auch 336 Menschen zu uns. Für 140 Bürgerinnen und Bürger endete 2019 der Lebensweg. Hier hieß es 2019 für die Angehörigen schweren Herzens Abschied zu nehmen. Für 37 Paare könnte das Jahr 2019 zu einem Glücksjahr geworden sein, denn sie gaben sich in unserem Neustädter Standesamt das Ja-Wort.

Meine Damen und Herren,

natürlich möchte ich auch die Gelegenheit nutzen, um allen Bürgerinnen und Bürgern zu danken, die durch ihr Engagement unheimlich viel zum Gemeinwohl in unserer Stadt beigetragen haben. Dazu gehören die Menschen in den Wohlfahrtsverbänden, den Kirchen, in den Vereinen und Organisationen unserer Stadt. Besonders möchte ich mich bei den Unternehmen und Gewerbetreibenden dieser Stadt bedanken, die nicht nur den Menschen hier Arbeit, den Jugendlichen Ausbildungsplätze und Perspektive geben, sondern auch 5 Millionen Euro Gewerbesteuern in den städtischen Haushalt einbrachten. Bedanken möchte ich mich auch bei den Stadtwerken, der DLG und der Wohnring AG für die stets vertrauensvolle und verlässliche Zusammenarbeit.

Einen ganz besonders starken Partner haben wir als Stadt Neustadt in den Kameradinnen und Kameraden unserer Freiwilligen Feuerwehr. Euch gilt der Dank aller Neustädterinnen und Neustädter für die stetige Einsatzbereitschaft. Brände löschen, Hilfe bei Verkehrsunfällen leisten, bei Sturmschäden den Menschen vor Ort helfen, die Sanitäter des Rettungsdienstes unterstützen oder einfach nur verschlossene Türen öffnen - dies alles sind Aufgaben, die selbstverständlich von Euch erwartet werden. Dass dies alles aber nicht selbstverständlich ist, sollte uns allen klar sein. Für die stetige Gewährleistung der Einsatzbereitschaft möchte ich mich ganz herzlich bei den 199 Kameradinnen und Kameraden unserer Freiwilligen Feuerwehr bedanken. Mit 155 Einsätzen lagen wir deutlich über dem Niveau der vergangenen Jahre.

Das zeigt einmal mehr, wie vielfältig die Aufgaben der Feuerwehr geworden sind. Es zeigt aber auch gleichzeitig, wie wichtig gute Ausbildung, gute Ausrüstung und vernünftige Bedingungen für unsere Kameradinnen und Kameraden sind. Und hier sind meines Erachtens alle gefragt, natürlich die Stadt, aber eben auch Bund, Land und Kreis. Wenn man immer neue, verschärftere und strengere Vorschriften und Richtlinien erlässt, dann muss man sich auch im Klaren darüber sein, dass dies Geld kostet. Die Freiwillige Feuerwehr ist aus meiner Sicht längst keine Feuerwehr im klassischen Sinn mehr, sondern viel mehr sind Sie inzwischen Helfer und Retter für alle möglichen großen und kleinen  Katastrophen geworden. Und gerade die Gebietserweiterung unserer Stadt bringt weitere Aufgaben und Herausforderungen mit sich, die es zu meistern gilt. Deshalb freut es mich auch, dass seit Dezember des letzten Jahres ein neues Fahrzeug für die Ortsteilwehr Lichtenau zur Verfügung steht und das über 40 Jahre alte Fahrzeug ersetzt.

Abschließend hierzu wünsche ich allen Kameradinnen und Kameraden für das Jahr 2020 möglichst wenige Einsätze, verbunden mit dem Wunsch, dass alle immer gesund und unverletzt wieder nach Hause kommen.

Meine Damen und Herren, sehr geehrte Gäste, liebe Neustädter,

ich habe über das vergangene Jahr und über das neue Jahr in Neustadt gesprochen. Ich habe Ihnen Projekte vorgestellt, habe Sie mit Zahlen erschlagen und sicherlich Ihre Aufmerksamkeit hart strapaziert. Doch bevor ich nun zum Ende komme möchte ich noch ein paar ganz persönliche Worte an Sie richten.

Die Herausforderungen im Jahr 2020 werfen wie immer ihre Schatten voraus und verlangen von uns Lösungen und entschiedenes Handeln. Die Stadt Neustadt an der Orla hat sich verändert, Gemeinden sind zu uns gekommen, Menschen werden miteinander ins Gespräch kommen und Situationen zu Lösungen auffordern. Dies wird von uns allen noch viel mehr Kompromissbereitschaft, Respekt und Wille zur Kooperation verlangen. Unser aller Ziel sollte es dennoch sein, die Stadt Neustadt an der Orla mit allen ihren alten und neuen Ortsteilen als eine Stadt weiter auszubauen, in der man gern wohnt, erfolgreich arbeitet, mit Freude lernt und investiert, gern seine verdiente Freizeit verbringt und seinen wohlverdienten Lebensabend genießen kann.

Ich möchte an dieser Stelle nochmals alle engagierten Menschen bitten, nicht nachzulassen. Denjenigen, die in ihrem Engagement bisher zurückhaltend waren möchte ich sagen: Bringen Sie sich ein, zeigen Sie Interesse und helfen Sie dabei, das Niveau in unserer Stadt hoch zu halten. Nur mit Ihrem Engagement können wir auch zukünftig den Menschen in unserer Stadt etwas bieten.

Ich wünsche Ihnen allen nochmals ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2020, denken Sie positiv, seien Sie aufgeschlossen wenn es um neue Dinge geht. Und bleiben Sie dennoch kritisch. Haben Sie viel Freude bei dem, was das neue Jahr für Sie bereit hält und genießen Sie die Zeit.

Meine Damen und Herren, liebe Gäste,

beenden möchte ich meinen Neujahrsempfang mit einem Spruch aus dem Kabarettprogramm von vor drei Wochen hier an dieser Stelle der bezaubernden „Urneustädterin“ Lisa Fitz der irgendwie zu meiner Philosophie passt.

Meine Damen und Herren, liebe Gäste,

 „Wenn man hinterherläuft, sieht man nur Ärsche.“

Deshalb liebe Gäste, lassen Sie uns gemeinsam vorneweg laufen und gemeinsam Neustadts Zukunft gestalten. Und am besten wir fangen mit einem Glas Sekt an, zu dem ich Sie ganz herzlich einladen darf. In diesem Sinne alles Gute für 2020 und ganz viel Gesundheit,

Ihr Bürgermeister Ralf Weiße

Ortsteilbürgermeisterin Petra Herzog mit Ralf Weiße