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Veranstaltungen

"Erinnerungen und Tagebuch eines schlesischen Flüchtlingsjungen"

im AugustinerSaal
Buchpräsentation des 27. Bandes der "Beiträge zur Geschichte und Stadtkultur"

Eine Voranmeldung unter 036481-85121 bzw. in der TouristInformation ist zwingend erforderlich.

© Förderverein für Stadtgeschichte

Veranstaltungsort
Rathaussaal
Markt 1
07806 Neustadt an der Orla

Der Eintritt ist frei.


Flucht und Vertreibung im II. Weltkrieg
Das Tagebuch eines schlesischen Flüchtlingsjungen in Neustadt

Als der zwölfjährige Helmut Neubach am 1. April 1945 nach Neustadt an der Orla kam, war dies bereits die dritte Station einer dramatischen Flucht. Aus Furcht vor der herannahenden Sowjetarmee hatte sich Neubachs Mutter Anna mit ihren Kindern in der schlesischen Heimatstadt Brieg auf den Weg gen Westen gemacht.

Ähnlich wie bei hunderttausenden anderen Familien war dies ein entbehrungsreicher Weg ins Ungewisse. Von „Normalität“ konnte auch bei der Ankunft in Neustadt an der Orla, während der zeitweiligen Unterbringung im Hotel „Zum Goldenen Löwen“ und nach der Zuweisung von Wohnraum im nahegelegenen Dorf Strößwitz keine Rede sein. Die Vertriebenen, die später in der DDR beschönigend als „Umsiedler“ bezeichnet wurden, mussten sich ihren Platz im neuen Leben erst erkämpfen. Dabei erfuhren sie Zurückweisung, aber auch Hilfe und Unterstützung.

Am 1. Januar 1947 begann der inzwischen knapp 14-jährige Flüchtlingsjunge ein Tagebuch zu führen, das Einblicke in den Familienalltag, die karge Wohn- und Lebenssituation, die schulischen und gesellschaftlichen Verhältnisse, aber auch in die Gedankenwelt eines intelligenten und aufgeweckten Knaben bietet. Seine Erfahrungen von Flucht, Integration, Selbstbehauptung und Neuanfang werfen eindringliche Schlaglichter auf die Situation im Nachkriegsdeutschland und erweisen sich zugleich von hoher Aktualität.

Diese hoch interessanten Aufzeichnungen bilden die Grundlage einer neuen Publikation in der Schriftenreihe des „Fördervereins für Stadtgeschichte“. Sie werden der Öffentlichkeit 75 Jahre nach Kriegsende präsentiert. Vorangestellt sind dem Tagebuch des Flüchtlingsjungen von 1947 Erinnerungen an die Jahre 1945 und 1946, die der Verfasser erst später zu Papier brachte. Hierfür griff Helmut Neubach, der später selbst Historiker geworden ist, auch auf originale Quellen und auf Gesprächsnotizen mit verschiedenen Zeitgenossen zurück. Das Tagebuch und die retrospektive Niederschrift sollen der Weltkriegsgeneration zur Erinnerung und den Nachgeborenen zur Information, zur historisch-politischen Bildung und vor allem zur Mahnung dienen.