Neustadt an der Orla
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Moderwitz

Moderwitz gehört zu den ältesten Ortschaften des Orlagebietes. Der Ort ist eine slawische Gründung und wird 1120 erstmals urkundlich erwähnt. Der thüringische Graf Wichmann schenkte dem Halberstädter Bischof Reinhard für die Errichtung eines Klosters in Kaltenborn u.a. 50 Bauernstellen im Orlagau, darunter 5 Hufen in Moderwitz (Modhelwici). Es liegt südlich von Neustadt an der Orla an der Straße nach Schleiz. Die Chaussee wurde erst Mitte des 19. Jahrhunderts gebaut. Vorher führte der "Schleizweg", auf dem schon Goethe nach Karlsbad reiste, über Arnshaugk, Burgwitz und Steinbrücken nach Schleiz und dabei an Moderwitz vorbei. Südlich des Ortes befindet sich das "Jüteschlössel", ein mittelalterlicher Turmhügel, der einst von einem Graben und einem natürlichen Wasserlauf begrenzt war und heute als markante, baumbewachsene Erhebung zu erkennen ist.

Die Moderwitzer Kirche ist in den ältesten Teilen romanisch. Der Großteil des Kirchenbaus ist dem 18. Jahrhundert und einer Restauration von 1859 zuzuschreiben. Vermutlich war die Kirche der heil. Anna geweiht, einer Schutzpatronin der Bergleute. Im Mittelalter wurde um Moderwitz Kupfer abgebaut. Die Fürstliche Schäferei zu Moderwitz wurde schon in den 12 Artikeln der Neustädter Bürger und der Bauern aus der Umgebung im Jahr 1525 erwähnt. Für die Gerberei und Tuchmacherei, die prägenden Handwerke Neustadts, war die nahegelegene Schafhaltung für die Lieferung von Wolle enorm wichtig. Nach dem Niedergang der Schäferei im Dreißigjährigen Krieg veräußerte Fürst Moritz, Herzog zu Sachsen, 1661 die Schäferei an Hanß Bruno von Pöllnitz, womit sie aus Landesbesitz in regionalen Adelsbesitz überging. Ende des 19. Jahrhunderts verloren die Schäfereien an Bedeutung.

Die bekannteste aus Moderwitz stammende Persönlichkeit war Prof. Dr. Karl Theodor Liebe. Der Geologe war Gymnasialprofessor am Rutheneum in Gera, erwarb sich große Verdienste auf dem Gebiet der Ornithologie und schuf mit seinen mehr als 300 geologischen Karten von Thüringen und Sachsen die Grundlage für die moderne geologische Forschung.
Ende des Zweiten Weltkrieges hatte der Zirkus Barlay sein Standquartier in Moderwitz. Die Eingemeindung von Moderwitz nach Neustadt an der Orla erfolgte im Jahr 1952.